Kunst als Vision

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Kunst als Vision

Plädoyer für eine Ästhetik des Dritten Jahrtausends


Visionäre Kunst ist dem Menschen verpflichtet. Sie ermöglicht einen mystischen Dialog. Darin betrachtet sich der Betrachter selbst. Wer durch die Fenster der Seele blickt, erkennt sich als Teil der Einheit allen Seins – und überwindet die kognitive Isolation des Ich.

Die Entstehung eines visionären Kunstwerks ist ebenso schöpferisch wie dessen Betrachtung. Wer Schöpfung betrachtet, wird selber zum Schöpfer. Er verbindet sich mit etwas Grösserem und erkennt sich darin wieder. Daher ist visionäre Kunst Sinn stiftend. Sie spricht das Essenzielle im Menschen an. Die Seele antwortet nicht auf Provokation oder Effekthascherei. Sie reagiert auf Schönheit, Wahrheit und Liebe. Visionäre Kunst erfindet diese klassischen Ideale neu – und wendet sie auf die Gegenwart an.

Visionäre Kunst ist intelligent, nicht intellektuell. Visionäre Kunst ist gesetzmässig, nicht beliebig. Visionäre Kunst ist natürlich, nicht erzwungen. Visionäre Kunst ist authentisch, nicht gespalten. Visionäre Kunst schöpft aus der Fülle, nicht aus Mangel. Sie berührt unmittelbar. Sie erhebt und energetisiert. Sie heilt und verbindet.

Das Visionäre entspringt einem Akt der Liebe, nicht des Schmerzes. Es verschenkt sich bedingungslos. Visionäre Kunst hüllt den Betrachter in das Mysterium der Schönheit. In ihr wird die Essenz des Seins als Fülle und Erfüllung erfahrbar.

Visionen werden nicht gemacht – sie erfinden sich selber. Der Künstler muss zur rechten Zeit am rechten Ort sein. Er muss sich öffnen, muss hinhören, hinfühlen, mit der eigenen Seele in Zwiesprache treten. Dann ereignet sich Schöpfung, und Kunst vollendet sich aus sich selbst heraus.

Peter Wallimann

Bild: www.sensigns.ch

 

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